Erfahrungsbericht zur Elektro-Epilation Teil 1

Erfahrungsbericht über die Elektro-Epilation (Nadelepilation) bei einem Männerbart

Tja, nun sitze ich hier und weiß nicht so recht, wo ich eigentlich anfangen soll. Also am besten ganz vorne. Ich bin 47 Jahre alt und lebte bis zu meiner geschlechtsangleichenden Operation im Juli 2005 als Mann. So weit, so gut oder auch nicht! Was soll nun eine Frau, der leider immer noch ein Bart wächst, tun, um diesen endlich und für immer!! los zu werden? Also macht man sich u.a. in der Transsexuellenszene kundig und hört, das einzig Wahre und Schnellste ist die Laser-bzw. Blitzlampen Behandlung. Andere sagen wiederum, alles Quatsch, das Einzige, was wirklich und dauerhaft hilft, ist die Elektro-Epilation. Die dritten meinten dann noch, egal, womit der Bart entfernt wird, Hauptsache der Bart ist weg und Schmerzen hat man bei allen Methoden. Also war ich nun genauso schlau wie zu Anfang. Bis ich F. in einer der Selbsthilfegruppe für Transidente Menschen kennen lernte. Sie hat vor 3 Jahren mit der Elektro-Epilation bei Frau G. in ihrer Praxis angefangen und war total begeistert. Und wenn man in ihr Gesicht schaut, nichts mehr von einem Männerbart zu sehen. Einfach nur noch glatt. Und das Beste, es kommt nichts mehr nach. Also war für mich klar, das ist mein Ziel. So möchte ich auch mal aussehen. Nachdem ich einen Termin bei der Elektrologistin Frau G. bekommen hatte, fuhr ich dann doch mit einem etwas mulmigen Gefühl zur Beratungsstunde. Was erwartet mich jetzt genau? Wie läuft die Behandlung ab? Ist das Epilieren sehr schmerzhaft? Wie lange dauert das Ganze und wie teuer wird es? Fragen über Fragen! Diese wurden mir dann alle sehr gut und ausführlich in einer netten und entspannten Atmosphäre erklärt.

epilieren der Barthaare mit Elektro-EpilationEs wurden Fotos von der Ausgangssituation gemacht, und der eigentliche Ablauf der Elektro-Epilation wurde gezeigt. Zum Schluss der Beratungsstunde meinte Frau G., dass sie gerne mal ein paar Haare zur Probe epilieren möchte, um die Reaktion der Haut zu sehen und auch meine Schmerzgrenze!?! zu testen. Als ich das hörte, rutschte ich in dem Behandlungsstuhl eine Ecke tiefer. Sollte ich vielleicht doch besser mit Bart leben. Nein, er muss weg. Also Augen zu und durch. Andere, wie zum Beispiel F., haben es schließlich ja auch überlebt. Nachdem die ersten Haare epiliert waren, war ich doch sehr positiv überrascht, dass sich Schmerzen so gut wie gar nicht einstellten. Ich teilte dieses erfreut Frau G. mit, und bekam von ihr auf eine sehr nette Art, sofort den Dämpfer. Der Strom sei halt zu Anfang sehr niedrig eingestellt, denn jeder hätte natürlich eine andere Schmerztoleranzgrenze. Um aber effektiv arbeiten zu können, müsste dieser wohl noch etwas!?! erhöht werden. Hätte ich besser mal nichts gesagt. Bei dem nächsten Haar hatte ich das Gefühl, ich hätte eine glühende Kohle in meinen Haarfollikel gelegt bekommen. In Sekundenbruchteilen ging mir die ungefähre Anzahl meiner zu epilierenden Haare durch den Kopf. Also doch die Flucht antreten. Aber Frau G. beruhigte mich. Es gibt in der Apotheke eine frei verkäufliche Salbe, mit der man die zu behandelnde Partie betäuben kann und sich somit der Schmerz dann wohl doch deutlich in Grenzen hält. Aufgrund des sehr informativen Gespräches und der angenehmen Atmosphäre beschloss ich, bei Frau G. die Epilation durchführen zu lassen. Nach einigem hin und her mit meiner Krankenkasse (diese übernimmt im Regelfall nur die Kosten, wenn die Epilation von einem Hautarzt, und nicht von einer privaten Elektrologistin durchgeführt wird) bekam ich dann schließlich die Kostenübernahme der Elektro-Epilation bestätigt. Zur ersten Behandlungsstunde war ich dann noch sehr mutig. Will heißen, es muss auch ohne Betäubungscreme gehen. Bei vielen Haaren ging es auch. Aber sobald man in die Bereiche Unter- und Oberlippe bzw. in den Ohrenbereich kam, war es mit dem Spaß sehr schnell vorbei. Ein effektives Arbeiten war so nicht möglich, denn kaum war die Sonde eingeführt und der Strom floss, schossen mir die Tränen in die Augen. So musste die elektrische Energie immer wieder unterbrochen werden und es würde bestimmt Jahre dauern, bis die Haare eliminiert sind. Also doch in die Apotheke und eine Tube von der Betäubungscreme gekauft. Vor der nächsten Behandlung auf die Haut aufgetragen und zur Elektro- Epilation gefahren. Es stellte sich jedoch nur ein Teilerfolg ein. Die Abdeckfolien, die zu der Salbe mitgeliefert wurden, waren effektiv zu klein und schlecht zu händeln. Sie ist halt für kleine Flächen konzipiert und nicht für einen Großteil des Gesichtes. Somit konnte die Salbe ihre volle Wirkung nicht entfalten. Ich bin zwar blond aber deswegen nicht unbedingt blöd. Beim nächsten mal also die Creme wieder aufgetragen und dann mit normaler Klarsichtfolie abgedeckt. Was soll ich sagen, optimaler Erfolg.

epilieren Männerbart mit Elektro-Epilation Schulung permanente HaarentfernungSelbst beim Epilieren haben Frau G. und ich uns Witze erzählt und rumgeblödelt. Man muss wissen, ich komme aus Nordrhein-Westfalen und habe halt ein loses Mundwerk. Somit habe ich auch immer wieder einen dummen Spruch auf der Lippe. Es war also ab diesem Zeitpunkt ein richtig entspanntes Arbeiten möglich. Außer, sie hat mal wieder einen Bereich erwischt, wo keine Creme aufgetragen war, beziehungsweise die Wirkung schon nachgelassen hatte. Sie meinte dann immer, es sei nur ein Test gewesen, ob ich noch lebe. Zeitweise ist es mir nämlich fast gelungen, beim Epilieren einzunicken. Und wie heißt es doch so schön, ein bisschen Spaß!! muss sein. Nachdem ich nun ein Jahr Elektro-Epilation mit ca. 40 Behandlungsstunden hinter mir habe, kann ich nur sagen, es ist ein voller Erfolg. Ein großer Teil meiner schwarzen Haare ist schon entfernt, die auch nicht wieder kommen. Die weißen werden jetzt in den nächsten Sitzungen entfernt, da diese ja schließlich nicht so auffallen. Ich denke, nach weiteren 40 Stunden dürfte auch der Rest meiner Haare eliminiert sein. Als Resümee kann ich nur sagen, es war die richtige Entscheidung mit der Elektro-Epilation. Zwei Freundinnen von mir, ebenfalls Transident, haben vor längerer Zeit ihre Haare mit dem Laser epilieren lassen. Nun sind sie ganz enttäuscht, dass sich doch wieder ein Haarwachstum eingestellt hat. Was machen sie jetzt? Beide sind bei der Elektro-Epilation gelandet. Das soll nicht heißen, dass sich vielleicht auch bei anderen Methoden ein dauerhafter Erfolg einstellt. Wie stark der Erfolg bei den anderen Methoden wie Laser oder Blitzlicht ist, glaube ich, hängt viel von der Haut- und Haarbeschaffenheit - auch in der Wurzel - und von der Haarfarbe ab. Mir persönlich war dieses Risiko jedoch zu groß, später eventuell noch einmal mit der permanenten Haarentfernung anfangen zu müssen; dann jedenfalls mit der Elektro-Epilation.

Warum ich diesen Bericht geschrieben habe? Ich möchte mich damit bei Frau G. für ihr Verständnis gegenüber transidenter Personen, für die vielen, wirklich lustigen Epi-Stunden und ihr Engagement bedanken. Wichtig ist eben, so wie ich, an eine professionelle Spezialistin zu geraten, die ihr „Handwerk“ versteht. So werde ich nun nicht nur meine schwarzen, sondern auch die weißen Haare für immer los und behalte trotzdem eine schöne Haut. Weiterhin hoffe ich, betroffenen Personen Mut gemacht zu haben, diesen Schritt zu gehen. Denn wie man sieht und liest, ich lebe noch!

Danke J.S.