Erfahrungsbericht zur Elektro-Epilation Teil 2

Fortsetzung meines Erfahrungsberichtes über die Elektro-Epilation (Nadelepilation) bei einem Männerbart

Seit meinem ersten Bericht sind nun fast zwei Jahre vergangen. Ich denke, es ist an der Zeit, meine Erfahrungen in den nun vergangenen drei Jahren der Elektro-Epilation hier noch einmal zu dokumentieren. Hier sei noch angemerkt, dass sich die Abstände zwischen den einzelnen Behandlungen deutlich verlängert haben.

Für die Menschen, die meinen ersten Bericht nicht gelesen haben, hier noch einmal ein paar Daten über meine Person. Ich bin in diesem Jahr biologisch gesehen fünfzig Jahre alt geworden, fühle mich aber wesentlich jünger. Dieses habe ich wohl auch meiner geschlechtsangleichenden Operation im Jahre 2005 zu verdanken. Bis zu diesem Zeitpunkt lebte ich nämlich noch als Mann. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist mein Gesicht. Ich bin ihn fast komplett los, meinen Bart. Das, was jetzt noch wächst, sind einige weiße und ein paar ganz dünne schwarze Haare. Aber ich kann mich nun endlich auch ungeschminkt in der Öffentlichkeit bewegen. Es fällt nichts mehr unangenehm auf und ich habe eine schöne glatte Haut. Keine Narben, Verbrennungen oder sonstige Hautveränderungen. Am tollsten aber finde ich, wenn man auf mein Alter zu sprechen kommt. Die meisten schätzen mich gerade mal auf Anfang 40. Ich muss nur aufpassen, dass ich mit meinen 191 cm dann nicht noch mehr wachse. Aber welche Frau bekommt nicht gerne solche tollen Komplimente. Soviel zu meiner jetzigen Situation.

Die noch vorhandenen weißen Haare haben wir ganz bewusst erst zum Schluss epiliert. Mir war es sehr wichtig, dass erst einmal die auffälligen schwarzen Haare entfernt wurden, denn die weißen Haare fallen, selbst wenn sie dicker sind, im Gesicht so gut wie gar nicht auf. Für dieses Ergebnis habe ich bis jetzt 75 Stunden bei einer wirklich professionellen Elektrologistin auf dem Behandlungsstuhl gelegen. Sie hat ihre Elektrologistenausbildung in Saudi Arabien, Deutschland, USA und England erhalten und ist auch entsprechend zertifiziert. Ungefähr weitere 20 Stunden bin ich dann noch von angehenden Elektrologistinnen in ihrem Ausbildungsinstitut behandelt worden. Hier konnte ich auch sehr schnell feststellen, wo der Unterschied zwischen einer erfahrenen Elektrologistin und einer „Anfängerin“ liegt. Erstens, es wird natürlich noch wesentlich langsamer gearbeitet, da der Umgang mit dieser Technik und Vorgehensweise sehr verantwortungsvoll ist. Die einzelnen Abläufe, wie zum Beispiel das Einführen der Sonde und die für die jeweilige Situation benötigte Stromstärke werden zu Anfang halt noch nicht so beherrscht. Zweitens, nach der Behandlung waren die behandelten Partien im Gesicht teilweise deutlich länger gereizt bzw. gerötet, und es bildeten sich auch schon mal kleine Eiterpickel oder Pusteln. Es sind aber grundsätzlich keine bleibenden Schäden an der Haut entstanden. Man muss natürlich fairerweise sagen, dass es ja jeder erst einmal richtig lernen muss, bevor er auf die Menschheit losgelassen werden kann. Und wenn es keine sogenannten „Modells“ wie unter anderem mich gibt, wie sollen sie denn die einzelnen Situationen der Elektro-Epilation an den Beinen, Armen, Gesicht und anderen Bereichen lernen. Wichtig ist mir aber auch dabei zu erwähnen, dass die Ausbilderin Frau G. ständig dabei war. Sie hat sofort korrigierend eingegriffen, wenn die Epilation nicht richtig durchgeführt wurde.

Und genau hier liegt die große Gefahr. Da der Beruf nicht geschützt ist, gibt es immer wieder Leute, die sich ein Gerät kaufen und teilweise mit nur ein paar Stunden Einweisung munter drauf los epilieren. Es ist ja nicht ihre eigene Haut, die dadurch eventuell bleibend geschädigt wird. Hauptsache das Geld stimmt, sollte man vermuten. Meistens hat dieses Verhalten jedoch keine erfolgreiche Zukunft. Leider muss dieses kein Einzelfall sein. Ich höre immer wieder durch meine Kontakte in den Selbsthilfegruppen, dass andere Leute ähnliche Erfahrungen gesammelt haben. Häufig wurde keine gründliche Aufklärung über den Ablauf, die Art der Behandlungsmethode, Kontraindikationen sowie die eventuell benötigte Gesamtbehandlungszeit durchgeführt. Mir persönlich würde das schon zu denken geben, ob ich dort wirklich in guten Händen bin.

Eine weitere Freundin von mir wollte ebenfalls ihren Männerbart loswerden und hat sich mit einem Laser über einen Zeitraum von etwa 2 Jahren behandeln lassen. Zuerst stellte sich auch der Erfolg ein. Jedoch nach ungefähr eineinhalb Jahren kamen dann die Haare wieder. Und nicht nur die weißen, sondern auch die schwarzen Haare, welche ja angeblich mit absoluter Sicherheit durch den Laser verschwinden. In selbiger Praxis bedauerte man dieses zwar, bot ihr aber im selben Moment die Elektro-Epilation an. Klar, erst viel versprechen, richtig Geld verdienen und im Nachhinein zugeben, dass dieses durchaus passieren kann. Und dann nochmals abkassieren. Das Schlimmste aber war, dass sie dort nach einer Epilationsbehandlung mit der Sonde eine ganze Woche teilweise aussah, als hätte sie die Beulenpest. Nach langem Zureden konnte ich sie überzeugen, dass dieses nicht normal sei und die Gefahr von Hautschädigungen bestehen würde. Ich schickte sie zu Frau G., damit sie sich dort einmal das Ganze anschauen kann, wie es dort abläuft. Nach dieser ersten Sitzung hat sie mit der Krankenkasse gesprochen und darum gebeten, zu Frau G. wechseln zu dürfen. Eine der Begründungen dafür war, es sei nicht mit absoluter Sicherheit auszuschließen, dass in der alten Arztpraxis Hautschädigungen entstehen könnten. Nach einigem Hin und Her war die Krankenkasse bereit, den Wechsel zu genehmigen. Heute ist meine Freundin absolut zufrieden mit dem Ergebnis und hat, wenn überhaupt, ein bis maximal zwei Tage eine erkennbare Hautreaktion. Sie muss zwar noch zu einigen Sitzungen, bis letztendlich alle Haare entfernt sind, aber sie ist absolut begeistert über die Arbeitsweise und froh, an eine professionelle Elektrologistin gekommen zu sein.

Als Resümee aus diesen drei Jahren kann ich aus eigener Erfahrung und aufgrund vieler Gespräche mit anderen Betroffenen nur empfehlen, sich an eine professionelle und erfahrene Elektrologistin zu wenden. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass die Haut keine Behandlungsfehler verzeiht. Und gerade an sensiblen sichtbaren Stellen, wie zum Beispiel im Gesicht, ist dieses doppelt schlimm. Was nutzt es, wenn die störenden Haare nicht mehr nachwachsen, man aber unter Umständen Narben im Gesicht hat.

Wie bereits in meinem ersten Bericht möchte ich mich hiermit nochmals ausdrücklich bei Frau G. für ihr Verständnis gegenüber transidenter Personen, für die vielen, wirklich lustigen Epi-Stunden und ihr persönliches Engagement bedanken. Sie hat es geschafft, dass ich mich nun absolut als Frau wohlfühle. Meinen Elektrorasierer habe ich mittlerweile verschenkt, denn die restlichen paar Haare kann man schnell mit einem kleinen Nassrasierer entfernen. Und so wie es im Moment aussieht, wird dieser auch noch dieses Jahr entsorgt. Allen betroffenen Personen, egal ob Mann, Frau oder irgendetwas dazwischen, möchte ich mit diesem Bericht auch noch einmal Mut machen, diesen Schritt zu gehen. Für mich ist auch ganz wichtig, diesen Bericht nicht als Werbung für Frau G. zu verstehen. Es gibt viele weitere Elektrologistinnen in Deutschland, die ebenfalls ihr „Handwerk“ verstehen und ein genauso gutes Ergebnis erzielen und das sollte klar heißen „dauerhaft permanente Haarentfernung“, also für immer. Ich denke, was noch ganz wichtig ist, dass die Chemie zwischen der Patientin bzw. Patient und der behandelnden Person stimmt. Und das ist ohne „Wenn und Aber“ bei Frau G. und mir der Fall.

Denn wie man jetzt wieder sieht und liest, ich lebe immer noch fröhlich, weiblich und (bis auf einzelne Resthaare) ohne Bart!

Danke J.S.